Shanty-Chor Cuxhaven

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...der etwas andere Shanty-Chor

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Musikalisch auf dem richtigen Dampfer

Fernweh wäre eine plausible Erklärung. Erwarten könnte man auch ein Statement wie: "Wir singen aus Verbundenheit mit unserer maritimen Heimat". Doch die Antwort auf die Frage, warum landauf, landab immer neue Shanty-Chöre aus dem Boden sprießen, fällt viel nüchterner aus: "Zum großen Teil ist das eine Überlebensstrategie für Männerchöre", sagt Jens-Otto Meyn.

Meyn muss es wissen, als Vorsitzender eines der dienstältesten Chorgemeinschaften dieses Genres: Vor 40 Jahren wurde der "Shanty-Chor Cuxhaven e.V." gegründet. Damals allerdings noch nicht als Verein. Und noch unter anderem Namen. "Die Seelords" tauften sich acht Sänger der Döser Liedertafel "Nordstern", die anno 1968 beim Tanz in den Mai mit einem ganz besonderen Repertoire auf Begeisterung stießen.
Auf Seemannslieder und auch auf ein paar echte Shantys hatte sich das Oktett gestürzt und damit nicht nur das heimische Publikum elektrisiert. Die Kurverwaltung buchte die Formation fortan für Kurgastkonzerte, auch noch, als sich die "Seelords" in "Döser Shanty-Chor" und ab 1974 in "Shanty-Chor Cuxhaven" umbenannt hatten.

Dem Thema "Seefahrt" hatten sich seinerzeit in musikalischer Hinsicht Leute wie Freddy Quinn verschrieben. Es gab das "Hamburger Hafenkonzert" und Hans Albers "Reeperbahn" war natürlich auch längst ein Gassenhauer. Doch das ausschließlich maritimes Liedgut für mehrstimmigen Chorgesang arrangiert wurde, war damals relativ neu, erinnert sich Bass-Sänger Peter Mordhorst.

Der "Shanty-Chor Cuxhaven" als Vorreiter und Orientierungsmodell für zahlreiche Männergesangsgruppen - nicht nur in der Küstenregion, sondern sogar im Bayrischen Wald (ja, auch dort singt man Shantys). "Ich glaube, dass wir diese Welle zumindest mit ausgelöst haben", entgegnet Udo Brozio, der im Jahr 1998 nach Kurt Kniesche die musikalische Leitung übernahm und einen Chor vorfand, der bereits über einige respektable Referenzen verfügte.

In England, Frankreich, Dänemark, ja sogar in den USA hatte man Gastspiele gegeben und einige Tonträger aufgenommen (von 1974 bis heute sind es 15 Platten/CDs). Außerdem hatte der Shanty-Chor Cuxhaven auch schon seine im Stil einer Seemannskneipe gestaltete "Messe" in der Kapitän-Alexander-Straße bezogen als Udo Brozio begann, die Formation mit der ihm eigenen Mischung aus Disziplin und Lockerheit auf die Spur ihres heutigen Erfolgs zu führen.

Dazu wurde das Repertoire erweitert und dem Publikumsgeschmack angepasst. Trotzdem verteidigt der "Shanty-Chor Cuxhaven" bis heute eine unverwechselbare musikalische Handschrift. "In gewisser Weise ist das ein Spagat", so der Chorleiter: Auf der einen Seite die Seemannslieder (das Publikum möchte ab und zu auch mitsingen und -schunkeln). Auf der anderen Seite die echten Shantys, ihrem Ursprung nach einfach strukturierte Worksongs. "Dem Charakter solcher Songs muss der Chor auch gerecht werden und trotzdem astrein klingen!" Ein Anspruch, welchem Brozios Jungs dank harter stimmlicher Arbeit gerecht werden.

Anders wäre es wohl kaum zu erklären, dass der "Shanty-Chor Cuxhaven", 40 Jahre nach seiner Gründung, eine regelrechte Fan-Gemeinde besitzt mit Zuhörern aus ganz Deutschland, die an den "Musikalischen Frühschoppen" in der Messe teilnehmen und sogar ihren Jahresurlaub so legen, dass sie die "Rote Laterne" live miterleben können.

Cuxhavener Nachrichten, kop, 26.03.2008

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