Shanty-Chor Cuxhaven

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...der etwas andere Shanty-Chor

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Tschüß Hartmut...

Am frühen 1. Mai 2019 verstarb unser Sängerkamerad Hartmut Scholz im Alter von 75 Jahren. Hartmut war dem Chor 1999 beigetreten. Seine Stimme verstärkte den ersten Bass. Zudem war Hartmut ein außerordentlich hilfreicher Kamerad, der die jeweils "Neuen" unter seine Fittiche nahm und den Chor in manchen Bereichen in Ordnung hielt.

So kümmerte er sich um die Chor-Kleidung, die Getränke-Versorgung und die Gestaltung von Messe und Keller. So genoss er im Chor große Achtung, seine Freundschaft und Freundlichkeit wurde von allen geschätzt.

Die Nachricht von seiner schweren Erkrankung erreicht ihn, seine Familie und uns erst Anfang März, sein Tod folgte innerhalb nur weniger Wochen. Der Shanty-Chor Cuxhaven trauert um einen lieben und geschätzten Kameraden. Wir vermissen ihn und werden ihn in dankbarer Erinnerung behalten.

Dr. Jan Bühner (Vorsitzender), 23.05.2019

Tschüß Hartmut...
CN
Unterhaltsame Seefahrt im Saal

Die Jungs von der Waterkant sangen schon in der Berliner Philharmonie, in Cornwall und Chicago, sie hatten Auftritte in Wien und Weimar, wurden in Dänemark, Tschechien und Polen bejubelt – und jetzt auch zum ersten Mal in Schwetzingen. Der vor über 50 Jahren gegründete Shanty-Chor Cuxhaven gastierte mit seiner Bühnenshow „Rote Laterne“ im mit 350 Besuchern vollbesetzten Lutherhaus.

Das abwechslungsreiche Programm bekannter Seemannslieder, klassischer Shantys, echter Bordarbeitslieder sowie internationaler Seefahrt-Songs kam bestens an bei den vielen Fans, unter ihnen der Shanty-Chor Mannheim, Marinekameradschaft Hockenheim und Mannheimer Neckarmöwen. Die "Rote Laterne" war bis letztes Jahr insgesamt 320 Mal in Cuxhaven aufgeführt worden, jetzt ging eine allerletzte Vorstellung mit Geschichten und Liedern aus der verruchten Hafenkneipe hier über die Bühne. Die Reise vom Rotlichtviertel über die Weltmeere begann mit dem Song "Hey Boys, setzt die Segel", bei dem gleich kräftig mitgeschunkelt wurde. "Ich liebe die Nordsee, die Wellen und den Strand" - das nahm man dem musikalischen Aushängeschild der Stadt Cuxhaven unter der Leitung von Udo Brozio am Schifferklavier und an der Gitarre gerne ab.

Die "Blauen Jungs" mit eigener Messe-Kneipe am Alten Fischereihafen legten sich voll in die Taue. "Die Insel Niemandsland", einst von Freddy gesungen sowie die "Pearly Shells" von Hawaii führten das Publikum an ferne Gestade, ebenso wie "Way down the Ohio" und "Unter fremden Sternen". In der Hafenspelunke gab es dann Ärger, ausgelöst von Seemann Teetsche Plein. Das war aber bald beigelegt, sowas passiert auf St. Pauli schon mal "und man denkt sich nichts dabei", sangen alle. Das "Ave Maria der Meere" stieg zum Himmel empor und zauberte eine wunderschöne Stimmung in den Saal.

Jens Papendick kam für seine Witze sogar runter ins Publikum. Der Hamburger Gruß "Hummel Hummel - Mors Mors" war der lautstarke Lohn für seine Solo-Partie. Nach der "Reise ohne Wiederkehr" von Freddy kamen die Jungs glücklicherweise doch noch einmal aus der Pause zurück. Ganz klar: "Hoch im Norden weht ein rauer Wind". Das zeigte sich dann bei der Äquatortaufe. Meeresgott Neptun, der Herrscher aller Wassergeister, marschierte ein, im Schlepptau Astronom, Magister und Barbier. Täuflinge wurden auserkoren. Christa und Jürgen Krause mussten ran. Das Ehepaar aus Brühl hatte dafür gesorgt, dass die Nordlichter vom Shanty-Chor Cuxhaven zum Auftritt in den Süden gekommen waren. Krause, gebürtiger Cuxhavener und mit seinen Eltern vor vielen Jahren
nach Mannheim gezogen, hatte so diesen Volltreffer für die Freunde von Seemannsliedern gelandet.

Der Chor erfreute sich schon seit Dienstag an der Kurpfalz. Der Spanferkelhof Helmling, das Heidelberger Schloss, Ruppertsberg in der Pfalz, die Rennstadt Hockenheim und der Schwetzinger Schlossgarten standen auf dem Programm. Neben dem Ehepaar Krause mussten auch noch Silvia Martin-Troyano und Manfred Kellner vom Staub des Binnenlandes befreit werden. Das Kandidaten-Quartett wurde kräftig eingeseift, mit dem großen Messer rasiert und als "Seestern", "Seerose" und "Seehecht", sowie Jürgen als "Zitteraal" in die Gemeinschaft der Seeleute aufgenommen. Chor und Publikum sangen dazu den "Hamborger Veermaster" und "Wir lagen vor Madagaskar". Nach dem Prosit mit Kurzen wurde gemütlich zu den "Nordseewellen" geschunkelt. "La Paloma" folgte, das Lied von der weißen Taube war gefühlvoll bei Dämmerlicht zu hören.

Chorleiter Udo Brozio begrüßte noch Gäste aus Schifferstadt, die sonst immer nach Cuxhaven kommen. Der traurige Jens meldete sich mit wenig zimperlichen Witzen zurück und einige Fragen zu den Seefahrern James Cook und Magellan ernteten viele Lachsalven. Die fulminante Show zeigte: "Shantymen" sind auch "very good, very good for Hollywood".

Der Shanty-Chor Cuxhaven, der schon in fast jedem Hafen war, will vielleicht nächstes Jahr wiederkommen. Die Fans hätten sicher nichts dagegen. Zum Abschied gab es stehende Ovationen an die Jungs aus dem Norden - und von denen zurück zum Publikum, als Jürgen Krause ein Fässchen "Rum" auf die Bühne brachte. Nach zweieinhalb Stunden buntem Programm erklang zum krönenden Abschluss noch der Hans-Albers-Klassiker "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" durch die lauschige Nacht im Lutherhaus.

Schwetzinger Zeitung, Volker Widdrat, 11.05.2019

Zeitungsartikel Teil 1
Zeitungsartikel Teil 2
Shanty-Chöre funken SOS

Im Cuxland wird es allmählich still: Gesangsvereine sind überaltert und finden kaum Nachwuchs.

Sie sind die Aushängeschilder des Nordens. Die Shanty-Chöre der Region werden auf Volksfesten, Märkten und maritimen Abenden fast wie Popstars gefeiert. Und doch gibt es ein großes Problem: Der Nachwuchs fehlt, das Durchschnittsalter liegt bei 70. Wenn die Chöre keine Verstärkung finden, könnte das seemännische Kulturgut bald ganz verschwinden. Der Shantyman und Vorsänger singt mit seiner höchsten Fistelstimme den Refrain. Die Schiffscrew antwortet in tiefem Bass und zieht dabei mit einem Ruck am Tau. So wird der Shanty- und Arbeitsgesang an Bord eines Großseglers auf dem Roten Meer im Jahr 1878 beschrieben. "Ein Lied ist wie zehn Mann am Tau", hieß es damals.

Heute werden Shantys kaum noch an Bord gesungen. Vielmehr treten die Chöre bei Hafenfesten, Gala-Abenden, Frühschoppen und Shanty-Treffen auf. Der maritime Männergesang kommt sowohl bei Urlaubsgästen als auch bei Cuxland-Bewohnern gut an. Dennoch funken die Shanty-Chöre SOS: Die Sängerkreise sind überaltert und finden kaum Nachwuchs. "Der Altersdurchschnitt bei uns beträgt 70,4 Jahre", sagt Gerd Drewes, Leiter des Hemmoorer Shanty-Chores. Es sei sehr schwierig, an junge Sänger heranzukommen: "Junge Leute haben eine andere Auffassung von maritimer Musik. Sie hören eine ganz andere Musikrichtung."

Beim Shanty-Chor Cuxhaven, dem Flaggschiff des traditionellen Shanty-Gesangs im Norden, sieht es nicht besser aus: "Wir haben seit Jahren Nachwuchsprobleme. Die Jüngsten sind 40 und 53 Jahre alt", berichtet Chor-Sprecher Peter Mordhorst. Der Altersdurchschnitt im Chor liege bei 69 Jahren. Die Cuxhavener Shanty-Sänger unter der musikalischen Leitung von Udo Brozio versuchen mit einem Repertoire, das auch jüngere Menschen anspricht, gegenzusteuern – Stücke von Achim Reichel, den Beach Boys, Sting und Bruce Springsteen gehören seit einigen Jahren zum Programm. "Die Shanty-Chöre, deren Repertoire nur aus "Hamburger Veermaster" und Reeperbahn-Liedern besteht, haben in der heutigen Zeit schon verloren", meint Mordhorst. Die Gruppe Santiano zeige, dass man mit maritimer Musik durchaus erfolgreich sein kann.

Die Nordseeküste ohne Shantys und Seemannsgesang – für Detlef Deuber, Vorsitzender des Otterndorfer Shantychores, wäre das schlicht undenkbar. Doch auch er macht sich Sorgen um die Zukunft seines Chors: "Der Altersdurchschnitt liegt bei 73. Immerhin: Unser Jüngster ist 19." Mit Flyern und flotten Durchsagen bei den Konzerten versuchen die Otterndorfer Nachwuchs zu gewinnen. Jedoch ohne durchschlagenden Erfolg. "Wenn sich nichts ändert, wird es unseren Chor in zehn Jahren nicht mehr geben", klagt Deuber.

Nachwuchssorgen sind auch bei den Cuxhavener "Seemöwen" das Thema Nummer eins. "Wir haben mehr als doppelt so viele Abgänge wie Neuzugänge – durch Altersbeschwerden und Todesfälle", sagt Hildegard Volk, Vorsitzende des Damen-Shanty-Chors, dessen Altersdurchschnitt bei 71 liegt.

Wird der Shanty also bald komplett aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden? "Solch ein Szenario muss verhindert werden", sagt Gerd Drewes. "Wir brauchen neue Impulse, um dieses Kulturgut am Leben zu erhalten. Hierfür müssen die Chöre ein gemeinsames Konzept erarbeiten."

Cuxhavener Nachrichten, Jens-Christian Mangels, 07.05.2019

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Auch Seefahrer brauchen eine Lobby

Gefahren der Seefahrt auch durch Piraterie und Vereinsamung wurden beim „Sonntag der Seefahrt“ thematisiert / Mission hilft

Rudolf Rothe übernahm beim Gottesdienst anlässlich des „Sonntags der Seefahrt“ in der Petri-Kirche das Glasen mit der Schiffsglocke, der Shantychor Cuxhaven unter Leitung von Udo Brozio sorgte für den passenden musikalischen Rahmen und Oliver Fuhljahn von Cuxport sprach über die Seemannsmission und seine Motive, den Förderverein mit seiner Arbeit zu unterstützen. Die Predigt hielt Seemannspastor Andreas Latz und die Fürbitte für die im vergangenen Jahr verstorbenen Seeleute sprach Seemannsdiakon Martin Struwe. Es war wieder ein würdiger Rahmen, den die Akteure in der großen Kirche der Seefahrer am Sonntagmorgen schufen. Und welche Bedeutung diesem Gottesdienst von der Cuxhavener Bevölkerung beigemessen wird, zeigte sich an der voll besetzten Kirche. In das Gedenken schloss Struwe neben den eigentlichen Seeleuten, die bei ihrer Arbeit ihr Leben verloren haben, auch die Opfer mit ein, die bei Fluchtversuchen auf dem Mittelmeer im vergangenen Jahr ums Leben gekommen sind.

Seit etwa 30 Jahren folgt die Petri-Gemeinde der britischen Tradition, einmal im Jahr Seeleuten einen Gottesdienst zu widmen. Eine Idee, die auf Heinrich Homann und den im vergangenen April verstorbenen Kapitän und Seelotsen Karl Kühne zurückgeht, der auch die Gedenkstätte für Seeleute in der Petri-Kirche (im rechten Seitenschiff) wesentlich mit eingerichtet hat. Unter den über 600 Namen im dortigen Gedenkbuch sind vor allem viele Fischdampferbesatzungen zu finden. Auch heute noch bergen die Seefahrt und insbesondere die Fischerei mehr Gefahren als die meisten Landberufe. Beleg dafür sind auch die anhaltenden Piratenüberfälle, die sich inzwischen vor allem vor der westafrikanischen Küste abspielen. Diakon Struwe nannte die Zahlen: 221 Überfälle auf private Schiffe hat das Piracy Reporting Center im vergangenen Jahr registriert. Dabei seien 141 Seeleute als Geiseln genommen und 83 entführt worden.

Mit Reimer Kobs verstarb am 6. August 2018 ein Cuxhavener Seesegler, als er sich gerade in der Seemannsmission befand. Eine Strandung mit seiner Jacht in der Südsee hatte er einige Monate zuvor dagegen noch mit viel Glück überlebt. Oliver Fuhljahn, der das Votum sprach, warb darin für die seiner Meinung nach wichtige Arbeit der Seemannsmission, die er als Vorstandsmitglied im Förderverein gerne unterstütze. Aus beruflichen aber auch privaten Gründen engagiere er sich mit viel Herzblut für die Sache der Seeleute, deren private Bedürfnisse durch das schnelllebige Geschäft in der Schifffahrt allzu oft unter die Räder gerieten. Vor allem die Erzählungen und Reiseandenken seines Patenonkels Erich Lange, der als Seemann und Schiffskoch auf den Weltmeeren unterwegs gewesen war, hätten in ihm das Fernweh geweckt, das ihn zu seinem heutigen Beruf gebracht habe.

Cuxhavener Nachrichten, Thomas Sassen, 04.03.2019

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